Gedanken zur Lebensmitte


Zu meinem 40er wollt ich mir selbst ein Lied schenken. “MY WAY” ist für die Lebensmitte etwas überzogen … es ist hoffentlich noch nicht “the final curtain” 🙂 

Ich wusste nicht so recht welches Lied es genau trifft … aber immer öfter mach ich die Erfahrung, dass einem im Leben die passenden Dinge zur passenden Zeit in die Hände fallen, wenn man sie auffängt. So hab ich von einer Freundin ein Lied geschenkt bekommen, das ich vorher noch nicht kannte … und dieses trifft es wie die Faust aufs Aug … jeder Satz könnte von mir sein …

Wenn Du gerade 5 Minuten hast, dann nutze die Zeit für eine kleine Pause. Schließ die Augen und lass Dich von dem Lied und seinen Worten berühren. Ein Lied über Paradoxe dieses Lebens die mich oft zu zerreissen drohen – vielleicht normal als Waage-Geborener – aber in gewissen Grad geht es uns Menschen doch allen so.

Und jetzt – inspriert durch NENA – meine Gedanken und Gefühle zu meiner Lebensmitte:

Mein Geburtstag hat mir Tränen begonnen, hat sich mit Tränen fortgesetzt und mit Tränen geendet. Nicht weil ich ein paar Falten mehr hab, nur mehr 20 statt 60 Liegestütze am Stück schaffe, mir die Zahl 40 nicht gefällt oder mich zu alt fühle … Nein … es fühlt sich für mich eher so an wie ein großes Tor, durch das ich jetzt einfach durchschreiten muss … ob ich will oder nicht … so wie Bastian in der “Unendlichen Geschichte”. Sich diesem Tor zu nähern macht mir bewusst, dass das Leben endlich ist und dass Zeit, Energie und Ressourcen begrenzt sind. Ich weiss auch, dass es nach dem Tod weitergeht, aber in DIESEM, MEINEM LEBEN bin ich nur EIN Mal und ich darf es mitgestalten. Das erfüllt mich mit Freude und Leidenschaft aber auch mit Druck und Verantwortung. Denn ich möchte es gut und richtig machen. Ich möchte meine ganzen Potentiale auf die Welt bringen und sie anderen zur Verfügung stellen. Ich möchte Freude an meinem Tun haben – ganz eigennützig … aber ich möchte auch, dass andere davon profitieren. Ich möchte, dass ich mich durch meine Lebensgestaltung am Ende des Tages erfüllt und in Frieden mit mir fühle.

Zereißprobe

Und an diesem Punkt in meinem Leben scheint es mich zu zerreißen – zwischen dem was ich spüre was möglich ist und dem was ich mir zutraue zu leben. Ich spüre, dass der nächste Schritt ansteht … sich zum Beispiel endlich nach 17 Jahren in der Schule ganz meiner Selbständigkeit zuzuwenden und nur mehr in dem Feld zu arbeiten, in dem ich wirklich möchte. Doch da ist Angst. Angst, damit meine Familie nicht erähren zu können, Angst (wieder) zu versagen, Angst zu scheitern, vielleicht Angst vor meiner Unzulänglichkeit. Ich beruhige mein Gewissen in dem ich mir sage, dass dieser Schritt wohlüberlegt sein will. Dass ich ja Verantwortung meinen Kindern gegenüber habe und dass es in der Schule ja auch ganz in Ordnung ist. Es gibt schlimmere Jobs. JA – stimmt vielleicht. Jedoch sind das teilweise auch nur Ausreden, um das Leben nicht zu 100% am Schopf zu packen und es zu versuchen.

Freundschaft, Liebe & Präsenz in Beziehungen

Was mich bewegt hat an meinem Geburtstag war die Liebe, die ich von anderen Menschen spüren durfte. Was in einer Freistunde in der Schule als normales Gespräch begonnen hat, hat plötzlich ganz in die Tiefe geführt. Und eine Kollegin ist dann extra eine Stunde länger geblieben um mit mir dieses Gespräch zu Ende zu führen und einfach da zu sein mit mir, meinen Emotionen und meinen inneren Kämpfen. Da ist mir der Wert von Freundschaft und Beziehungen so deutlich vor Augen geführt worden. Wieviel Zeit verbringe ich damit, Beziehungen zu pflegen die mir wichtig sind – abseits meiner Arbeit deren Kern genau DARIN besteht?

Wie präsent bin ich zB mit meinen Kindern? Mit meinen Kindern zu denen ich – meist in den ganz stillen Momenten meines Lebens – eine Liebe empfinde, die jegliche sonstigen Gefühle der Tiefe übersteigt – die sich dann aber praktisch in der Realität nicht so ausdrückt wie ich mir das wünschen würde.

Kampf vs. Frieden

Meinen Kräfte und Energie setze ich an diesem Punkt in meinem Leben wahrscheinlich wie nie zuvor für Dinge ein, die mir wirklich von Herzen wichtig sind. Trotzdem steh ich oft an meinen Grenzen und immer wieder mal ein paar Schritte drüber. Da ist noch viel Kampf – manche Kämpfe die sein “müssen” – manche die ich mir unnötig kreiere. Da ist ein Wunsch in mir nach Frieden, eine Sehnsucht nach Stille und Freiheit. Schön, dass ich immer wieder – trotz aller Kämpfe und Herausforderungen des Lebens – Momente erleben darf, in denen das möglich ist – in meiner Arbeit und in meinen Beziehungen … mit mir und mit Anderen.

Nena – du hast so recht wenn Du singst …

In meinem Leben bin ich oft geflogen
Ich hab’ auch schon gelogen und dich und mich betrogen

Ja – das hab ich … und es tut weh zu spüren, was das mit den Menschen die mir lieb sind macht und was es mit mir macht … und trotzdem kann ich mich meistens noch in den Spiegel schauen.

Das ist ein großer Wunsch für mein weiteres Leben … mich noch authentischer zu zeigen, noch ehrlicher zu mir und den Menschen um mich zu sein und mich selbst nicht mehr zu belügen … meiner Angst zu lauschen, aber ihr nicht mehr alles zu glauben.

Es gäbe noch so viel zu sagen, aber das würde ja dann kein Mensch fertig lesen 🙂

Alles in allem bin ich froh sagen zu können:

“Ich bin verliebt in dieses Leben und ich
Bleib nochmal so lange hier … bei dir”

Danke für alle die meinen Weg bis hierher unterstützt haben – auf welcher Ebene auch immer.

 Wie Nena oft auch zu sagen (oder in einem Anfall von Emotionen eher zu schreien) pflegt:

 ICH LIEBE EUCH!!!
Euer Manuel

PS: Und jetzt interessiert mich noch – welcher Satz des Nena-Songs hat mit DIR am meisten Resonanz? Hinterlasse mir gern ein Kommentar!

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