Warum ein spiritueller Weg ein starkes ICH braucht!


Dieser Artikel ist ein Plädoyer für eine Spiritualität, die ein starkes ICH miteinschließt – und mehr noch – deren Ziel es ist, die Verkörperung eines freien & starken ICH zu würdigen, zu feiern & zur Blüte zu bringen.

Welche Gefühle rufen bei Dir die Worte „ein starkes ICH“ hervor?
Ein starkes ICH zu haben ruft bei vielen Menschen heutzutage schon eine Art Unbehagen oder schlechtes Gewissen hervor. Denn in einer Welt in der wir tagtäglich mit den Folgen von Rücksichtlosigkeit, Profitgier oder Zerstörungswut konfrontiert sind, gilt man eher als ethisch oder spirituell entwickelt, wenn man versucht, sein ICH hinten anzustellen oder am Besten ganz aufzulösen.

Falschverstandene Spiritualität
Dieser Gedanke ist  zwar verständlich – jedoch resultiert er aus einer falschverstandenen Spiritualität. In den letzten Jahrzehnten hat der Westen viel von den Weisheitstraditionen des Ostens profitiert. Jedoch macht man auch heute noch den Fehler, dass man die kulturellen Hintergründe ausblendet, auf denen solche Traditionen gewachsen sind und die eigenen philosophischen & spirituellen Schätze vergisst, die bei uns gewachsen sind.

Dadurch, dass heutzutage Menschen immer früher beginnen, sich für Spiritualität zu interessieren, kommt es häufig dazu, dass sie damit beginnen auf verschiedenen spirituellen Wegen ihr ICH „auflösen“ zu wollen, bevor sie es überhaupt entwickelt haben. Man hört von der Idee, dass unser ICH im Grunde eine Illusion ist, an der man festhält und dass dieses Festhalten alles Leiden verursacht. „Kein ICH = kein Leiden“ lautet vereinfacht gesagt eine spirituelle Formel, die scheinbar einleuchtet, jedoch große Probleme mit sich bringt.

„Nur ein starkes ICH kann man loslassen – denn sonst ist da nichts was man loslassen könnte“
bringt es Willigis Jäger – Benediktiner & Zen-Meister – auf den Punkt.

Das ist auch ein Grund warum in vielen mystischen Traditionen Schüler erst angenommen wurden, nachdem sie im weltlichen Leben genug Erfahrung  & Demut gesammelt hatten, um mit den Erfahrungen auf dem mystischen Weg umgehen zu können. Denn ein schwach entwickeltes ICH ist ein schlechter Führer durch die Abgründe und Schattenseiten der seelischen & geistigen Welten, die sich auf einem spirituellen Weg manchmal auftun können.

Dazu soll Maslow mal gesagt haben, dass der Unterschied zwischen einem Psychotiker und einem Mystiker darin besteht, dass der Psychotiker im Unbewussten untergeht – während der Mystiker gelernt hat zu Schwimmen.

„ICH“ & „Selbst“ – zwei grundlegende Lebensperspektiven:
Grundsätzlich gibt es zwei Perspektiven aus denen heraus wir unser Leben wahrnehmen können. Die eine ist die ICH-Erfahrung und die andere ist die Erfahrung einer allumfassenden Verbundenheit & Einheit (hier auch: „Selbst“) die alle Konzepte eines begrifflichen Denkens sprengt und in den mystischen Zweigen aller Religionen & Strömungen auf verschiedene Art und Weise angestrebt wird.

Unsere „ICH-Erfahrung“ oder „menschliche Natur“ kennzeichnen:
Einzigartigkeit, Getrenntheit, Unterscheidungsfähigkeit, Entscheidungskraft oder Gestaltungsfähigkeit. Roberto Assagioli nennt sie „Wille“, bei Martin Buber ist sie die „Richtungskraft“,  bei C.G. Jung ist sie die Persona, im Buddhismus heißt sie „Form“ und im Christentum ist sie die „Gegenübererfahrung“ Gottes.

Unsere Erfahrung des „Selbst“ oder der „göttlichen Natur“ kennzeichnen:
Nondualität, Fließen, Hingabe, Ganzheit, Eins-Sein, Liebe, Stille oder Ewigkeit. C.G. Jung nennt sie das Selbst, im Buddhismus wird sie „Leerheit“ genannt und im Christentum ist sie die „Einheitserfahrung“ mit Gott.

Probleme entstehen dann, wenn wir die alltägliche menschliche ICH-Erfahrung mit all unseren Empfindungen, Gefühlen & Gedanken im Gegensatz zur Erfahrung der Nondualität oder Einheit als geringschätziger betrachten und eine Trennung & Wertung in „niedriges“ ICH und höheres „Selbst“ vornehmen.

Versöhnung von „ICH“ und „Selbst“
Eines der besten Bücher zur Versöhnung dieser beiden Ebenen hat Siegfried Essen verfasst („Selbstliebe als Lebenskunst“.) Weil ich es in meinen eigenen Worten nicht besser hätte ausdrücken könnte, habe ich einige Passagen aus seinem Buch zusammengefasst:

„Wahre Spiritualität ist die Anerkennung und Würdigung der Dualität. Die ICH-Qualität ist nicht schlechter oder besser als die Selbst-Qualität (die „Einheit“). Egoistisch ist nur das Festhalten an EINER der Perspektiven. Die eigentliche Erlösung ist der meisterhafte Wechsel der Perspektiven – das Spiel von Einheit & Vielfalt, von Kontakt & Freiheit oder von ICH & Selbst.  Es geht um eine Ebenbürtigkeit beider Sichtweisen und einen freudvollen Wechsel zwischen menschlicher und göttlicher Natur. Verbundenheit schließt die Trennung nicht aus, sondern ein. Es ist wichtig zu verstehen, dass man die Trennung nicht aufheben muss, um verbunden zu sein.“

Oder wie es im Herz-Sutra des Buddhismus heißt:
„Form ist Leerheit & Leerheit ist Form“

Was also tun mit unserem ICH, wenn wir es nicht auflösen sollen?

Der Weg zu einem starken, freien & kreativen ICH
Hier ist die Stelle unsere eigene Geschichte zu würdigen. Der Westen hat eine Vielzahl an Methoden hervorgebracht um mit der Psyche & dem Geist des modernen Menschen zu arbeiten, die einzigartig und unerreicht sind. Wir sind sozusagen die Experten auf dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. 

Ken Wilber Buch „Integrale Spiritualität“, welches eine meisterhafte Landkarte bietet, beschreibt in seinem Buch, dass die östlichen Systeme zB. so gut wie keine Methoden entwickelt hatten, um mit unserem Schatten zu arbeiten. Und dass wir Menschen im Westen durch viele Formen von Meditation unsere Schatten teilweise noch mehr unterdrücken, statt uns von ihnen zu befreien – wenn wir nicht auch an unserer ICH-Kraft und –integration arbeiten. Hier können sich Methoden aus Ost & West ergänzen um einen spirituellen Weg zu gehen, auf dem man sowohl die Meisterschaft im „Sein“, als auch im „Werden“ anstrebt. 

„Die großen Mystiker besaßen alle ein ausgeprägtes Ich. Ego-los ist nicht die Abwesenheit eines Ich oder weniger als persönlich, sondern mehr als persönlich.“
(Willigis Jäger) 

Wir müssen also danach trachten, ein Ich zu entwickeln, welches möglichst frei von Konditionierungen ist und sowohl seine Licht- als auch all seine Schattenseiten integriert hat. Ein ICH, welches möglichst kreativ und ungezwungen auf jede Situation – mit all seinen Möglichkeiten – reagieren kann. Ein uns dienendes Ich welches sich nicht vor dem Wählen drückt, welches uns Richtung, Gestaltungskraft und Entscheidungsfähigkeit einräumt und welches sich der Schönheit seiner Einzigartigkeit als auch unserer letztendlichen Verbundenheit bewusst ist.

Spiritualität verkörpern
Meine Vision und mein Herzblut gehören einer Spiritualität die nicht allein das Formlose anstrebt und uns von der Welt „entrückt“, sondern eine Spiritualität die uns tiefer ins Leben hineinführt. Eine Spiritualität, die uns erlaubt unsere Gefühle, Empfindungen und Gedanken ganz erleben zu dürfen ohne an ihnen kleben zu bleiben zu müssen. Ein Bewusst-Sein welches das Lebendige in allen Erscheinungen ehrt und das nicht nur den Himmel anstrebt, sondern tief in einer Liebe zu Mutter Erde verwurzelt ist. Eine Spiritualität der Sinnlichkeit und Lebensbejahung, in der die Menschen lernen, ihren persönlichen Raum einzunehmen und diesen gegebenenfalls auch zu verteidigen. Einen Weg der die Menschen mit ihrer Lebensaufgaben – ihrem „Dharma“ verbindet und mit dem Mut ihrer inneren Stimme zu folgen und diese authentisch nach außen hin zu vertreten. Eine Spiritualität die nicht nur den Geruch von Räucherstäbchen, sondern auch den von Senkgruben kennt.

Ein Weg auf dem ich immer mehr zu mir selbst finde – ohne das Individuelle verlieren zu müssen. Ein Weg der mich lehrt, meinen Wert und meine Werte genau zu kennen und mein Leben danach auszurichten.

Und entlang dieses niemals endenden Weges steht unser ICH ständig unserem Selbst gegenüber. Unser Ich hat in jedem Moment die Möglichkeit unserem Selbst ins Antlitz zu sehen und es in einem sinnlichen Tanz zur Vereinigung zu rufen.

Tanz!
wenn du offen & gebrochen bist
Tanz!
wenn du den Verband herunter gerissen hast
T
anz!
inmitten der Schlacht.
Tanze in deinem Blut!
Wenn du vollkommen frei bist –
Tanz!
(Rumi) 


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