Verletzlichkeit – der Schlüssel zu Echtheit & Verbundenheit

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“Es ist nicht der Kritiker, der zählt,
nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist
oder wo der, der Taten gesetzt hat, sie hätte besser machen können.
Die Anerkennung gehört dem, der wirklich in der Arena ist,
dessen Gesicht verschmiert ist von Staub und Schweiß und Blut, 
der sich tapfer bemüht, der irrt und wieder und wieder scheitert,
der die große Begeisterung kennt, die große Hingabe,
und sich an einer würdigen Sache verausgabt;
der, im besten Fall, am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt;
und der, im schlechtesten Fall des Scheiterns, zumindest dabei scheitert,
dass er etwas Großes gewagt hat …”

(Theodore Roosevelt)

Durch die vielen emotionalen Reaktionen auf meine letzten beiden Artikel “Was Männer im Bett wirklich wollen” und “Was Frauen brauchen um sich einem Mann öffnen zu können” hat sich für mich herauskristallisiert bzw. bestätigt, dass es sowohl bei Frauen, als auch bei Männern, einen starken Wunsch nach einer authentischen und tiefen Verbindung gibt. Eine Sehnsucht danach, wahre Präsenz und Hingabe (er)leben zu können und sich auf Augenhöhe und in Herzenstiefe zu begegnen.

“Wo sind die bewussten, echten und präsenten Männer da draußen” oder “Wo sind die Frauen, die sich wirklich hingeben können” war eine häufige Reaktion und Frage auf meine Artikel aus denen nicht nur eine Sehnsucht, sondern auch ein Anflug von Anklage herauszuhören war. Ich kann Euch versichern … es gibt sie. Bist Du unter den 7,5 Milliarden Menschen da draußen noch nie wahrer Präsenz oder Hingabe begegnet, dann hat es höchstwahrscheinlich etwas mit Dir und Deiner Verletzlichkeit zu tun.

“Ich würde mich einem Mann ja gern hingeben, ABER die Männer …”
“Ich würde ja gern in meine männliche Kraft gehen, ABER die Frauen …”

… und ähnliche Sätze habe ich schon mehr als oft gehört. Sie zeigen meist an, dass es da irgendwo einen “Knackpunkt” gibt.

Verletzlichkeit – eine menschliche Kernerfahrung

Der Kern – und vielleicht auch der “Knackpunkt” – einer authentischen, lebendigen und tiefen Verbindung ist Verletzlichkeit. Wir sind verletzlich – ganz einfach deswegen, weil wir fühlende Wesen sind. Wir kommen nackt zur Welt – völlig wehrlos & schutzlos. Ohne die Liebe & Fürsorge von anderen Menschen sind wir dem Tode ausgeliefert. Wenn wir Verletzlichkeit in seiner Tiefe betrachten, dann ist jede Angst vor Verletzlichkeit letztlich eine Angst vor dem Tod – eine existentielle Bedrohung für unser Überlebensprogramm und unserem Wunsch nach Sicherheit und Unversehrtheit.

Wenn wir in unserer menschlichen Entwicklung weiter voranschreiten und eine Ich-Identität entwickeln – uns mit unserem Körper, unseren Gefühlen und Gedanken identifizieren, dann versuchen wir dieses ICH auf allen Ebenen vor Verletzungen zu Bewahren.

Strategien gegen Verletzlichkeit

Schmerz, Scham, Leere, Angst, Ohnmacht, Verlust des Selbst – sie alle werden zu Feinden, vor denen es sich zu schützen gilt. Unendlich kreativ wie wir Menschen sind, haben wir aus Angst vor diesen Erfahrungen ein Arsenal an Strategien erschaffen um Verletzlichkeit zu umgehen:

Wir versuchen uns zu schützen (“das berührt mich nicht”),
zu betäuben (“jetzt brauch ich echt einen Drink”),
zu verleugnen (“warum soll ich ein Problem damit haben”),
sie zu bekämpfen (“na warte – du kannst was erleben”),
zu unterdrücken (“Augen zu und durch”),
äußerlich oder innerlich abzuhauen (“ich bin dann mal weg”)
sie theatralisch zur Schau zu stellen (“wie kannst Du mir das nur antun”)
oder ihr durch Zynismus & Coolness (“reg Dich ab”)
aus dem Weg zu gehen.

Was ist Deine Lieblingsstrategie?

Fühlen oder Nicht – das ist hier die Frage

So verständlich die Gründe für die geschickten Anwendungen dieser Strategien auch sind – sie bergen ein Problem in sich. Denn es ist nicht möglich, dem unangenehmen Gefühl der Verletzlichkeit auszuweichen ist, ohne auch allen anderen Gefühlen unseren Rücken zuzukehren. Eine “Lokalanästhesie” ist seelisch nur schwer machbar. Das heißt, dass wir uns dadurch auch vom Gefühl unserer Berührbarkeit, unserer Empathie, unserer Verbundenheit und Zugehörigkeit und damit auch unserer Kraft und Authentizität abschneiden.

Wir können dann auch Andere nicht fühlen, wir können sie nicht in ihrer Tiefe erkennen, wir können ihre Einzigartigkeit nicht wahrnehmen, nicht sehen wer sie wirklich sind und am wichtigsten – wir können uns ihnen gegenüber nicht gänzlich öffnen.

Doch was tun?

Sich dem Schmerz öffnen und Lieben

“Es ist völlig in Ordnung Schmerz zu empfinden. Du wirst das erkennen, wenn Du damit aufhörst, ihn zu vermeiden. Denn selbst im Versuch dich zu schützen, erfährst du immer noch Schmerz. Also was hast du dir nur selbst für einen schlechten Streich gespielt? Wenn diese Art des Selbstschutzes wirklich funktionieren würde, wäre es etwas anderes. Aber diese Abwehr verstärkt den Schmerz nur noch. Verwandelt Schmerz in Leid. Schmerz ist Schmerz. Sagen wir … da ist ein Eifersuchts-Schmerz … er ist einfach da … als Teil der menschlichen Erfahrung. Eifersucht. … fühl sie. Ich bin eifersüchtig. Ich bin verletzt. Ich bin ängstlich. Ich LIEBE. Also was soll ich jetzt tun? Mich zurückziehen? Hassen? Mich verschließen? Oder nur den Schmerz fühlen und lieben. Ich empfehle den Schmerz fühlen und lieben. “
(aus einem Live-Talk von Gangaji – frei übersetzt)

https://www.youtube.com/watch?v=iKEm5_xzaJE
(Hier das englische Original – ab Minute 17 – SEHR sehenswert!)

Verletzlichkeit leben – der Weg der HerzenskriegerInnen

Ändere Deine Einstellung zu Verletzlichkeit
Verletzlichkeit zuzulassen ist Stärke – nicht Schwäche. Indem wir uns unserer Verletzlichkeit stellen, werden wir spirituelle KriegerInnen. Das erfordert Mut und Entschlossenheit. Wenn Du es schaffst, tiefer in das Gefühl von Verletzlichkeit einzutauchen, dann entdeckst Du darin vielleicht Sanftheit, Schönheit, Weichheit, Offenheit, Transparenz, Verbundenheit und Empathie.

Beende die Geschichte hinter Deinem Schmerz
… und stell Dich der Erfahrung im Hier und Jetzt. Die Geschichte hinter Deinem Schmerz hält den Schmerz am Leben. Lass all die Anschuldigungen der Vergangenheit, die Rechtfertigungen der Gegenwart und die Ausflüchte in die Zukunft ruhen. Was spürst Du? Was fühlst Du? Was denkst Du?

Hier?! Jetzt?!

Mach mit und lass Dich ein
Wer nicht mitspielt, kann auch nicht verlieren denken wir oft unbewusst und lassen so unser Leben an uns vorbeiziehen. Doch wir wissen, dass wir im Casino nur voll abräumen können, wenn wir ein bisschen etwas wagen und mit vollem Einsatz spielen. Also sei wach, bring Dich voll für Dich selbst ein, steh zu Dir und zeige Präsenz. Investiere in Deine Lebendigkeit. Es gibt viele Währungen: Zeit, Arbeit, Aufmerksamkeit, Energie, Geld, Gefühle, Träume … was immer es auch ist – halte es nichts zurück. Denn die Investition selbst ist schon der Gewinn.

Zeig Dich
Kannst Du Dich an die kindliche Aufregung beim Versteckspielen erinnern. Wie das Herz klopft in der Hoffnung nicht entdeckt zu werden. Wenn aber alle anderen Kinder schon gefunden sind und Du allein seit 15 Minuten im Versteck kauerst und niemand Dich findet, wird Deine Sehnsucht gefunden zu werden plötzlich größer als Deine anfängliche Hoffnung unentdeckt zu bleiben. Also – nimm diese Sehnsucht wahr gefunden zu werden … und dann ZEIG DICH!

Lerne Unbehagen zuzulassen
Das ist eine echte Aufgabe – und spätestens da wird klar, warum Verletzlichkeit eigentlich Stärke ist und keine Schwäche. Schmerz, Scham, Angst, Ohnmacht, Ungewissheit und emotionales Unbehagen zuzulassen, ist eine lebenslange Übung die Klarheit aber auch Geduld und Selbstliebe erfordert.

5 Schritte zum Umgang mit Verletzlichkeit

1) Lerne Deine Auslöser für Verletzlichkeit kennen
Brene Brown hat in ihren Forschungen herausgefunden, dass es geschlechtsspezifische Auslöser für Verletzlichkeit gibt. Bei Frauen sind die “Top 3” ihr Aussehen, ihre Rolle als Mutter und der Anspruch ihr ganzes Umfeld perfekt zu versorgen. Bei Männern steht berufliches Versagen, sexuelle Leistungsfähigkeit und die Angst davor, schwach zu wirken an der Spitze. Egal ob geschlechtsspezifisch oder individuell. Lerne DEINE Auslöser für Verletzlichkeit kennen.
(MUST SEE: Ted-Talk von Brene Brown – “The power of vulnerability” – mit deutschen Untertiteln)

2) Durschaue Deine Abwehrmechanismen
Beobachte Dich. Was tust Du wenn es gefährlich wird. Wenn es beginnen könnte wehzutun. Was machst Du um Dich zu schützen, wohin flüchtest Du im Innen oder Außen, wie gehst Du zum Gegenangriff über? Was tust Du sonst um Verletzlichkeit nicht spüren zu müssen?

3) Durchbrich den Automatismus
Wenn Du Deine Programme kennst, geht es “nur” noch darum zu merken, wann sie beginnen aktiv zu werden und die Entscheidung zu treffen, den Autopiloten zu deaktivieren und das Steuer selbst in die Hand zu nehmen. Und darauf zu vertrauen auch durch heftige Gewitter fliegen zu können.

4) Sei radikal ehrlich zu Dir selbst
Spürst Du Schmerz, Scham, Wut, Angst, Ohnmacht, Leere … sprich die Wahrheit. Beginne mit einem Inneren Gespräch. Die Wahrheit befreit. Und öffnet Dich für das, was wirklich im Hier und Jetzt in Dir lebendig ist.

5) Kultiviere Intimität und Vertrauen
Wenn Du Dir selbst gegenüber ehrlich warst, dann kann es ein sehr heilsamer nächster Schritt sein, mit jemandem zu sprechen, dem Du vertraust. Falscher Stolz hält uns oft in der Isolierung. Um Hilfe zu bitten, die Hände auszustrecken bringt uns in Verbindung mit Anderen. Schenke Dein Vertrauen Menschen die es “verdient” haben. Intimität und Vertrauen können kultiviert werden und entstehen dadurch, dass man sich in seiner Verletzlichkeit zeigt, darin gesehen und zu 100% angenommen wird. Das Vertrauen das dadurch entsteht ist ein Geschenk für beide Seiten.

Verletzlichkeit zuzulassen ist eine Lebensaufgabe – und ein Weg der kleinen Schritte. 
Brauchst Du bei einigen dieser Schritte eine Begleitung, dann geh ich gern an Deiner Seite. Eine der Kernqualitäten meiner Arbeit ist es, Dir einen Raum des Vertrauens zu schenken, wo alles sein darf und nichts sein muss. Ich weiß wo sich bei Männern und Frauen die schmerzlichen Auslöser befinden, hinter welchen Schutzmechanismen wir uns gern verbergen und wie wir uns langsam davon verabschieden können. Dabei hilft mir oftmals sehr die Arbeit mit Deinem Geburtshoroskop. 

Mehr zu meiner Arbeit

 

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